Chronik


Spielmannszug der Freiwilligen Feuerwehr Gütersloh
Löschzug Avenwedde




Bereits in der Gründungsversammlung der Freiwilligen Feuerwehr Avenwedde am 07. Juni 1922 wurde der Spielmannszug ins Leben gerufen. Mit der Aufgabe eine derartige Musikgemeinschaft aufzubauen wurde Willi Uthoff beauftragt. Er konnte sich hierbei auf seine Erfahrungen als Mitglied der freien Turnerschaft Isselhorst (heute Turnverein Isselhorst) stützen. Dies geht aus einer Niederschrift des Kassenbuches der Löschgruppe Avenwedde-Bahnhof des Jahres 1922 hervor.

Es waren 12 musikbegeisterte junge Männer die Willi Uthoff dabei zur Seite standen: Emil Berkenkamp, Willi Bierbaum, Christoph Brand, Willi Bremann, Otto Geisenhanslüke, Willi Meibrink, Walter Niedik, Heinrich Uthoff, Karl Vornholt, Hermann Wiehenstroth, sowie Aloys und Klemens Wittenstein.

Im "Wiege"-Häuschen oder Büro der Gaststätte "Zum Kiwitt" (heute "Münchener Löwenbräu"), wurden die ersten Proben abgehalten. Der Spielmannszug machte dabei rasche Fortschritte, so dass der erste öffentliche Auftritt bereits am 15. Juli 1923 datiert werden konnte. Aufgespielt wurde zum ebenfalls ersten Feuerwehrfest des Löschzuges Avenwedde. Das Fest fand in der Gaststätte Bettenworth statt, dessen Besitzer Heinrich Bettenworth selbst Mitglied der Wehr war.

Damals waren Spielmannszüge noch eine Seltenheit und so war der Spielmannszug ein gern gesehener Gast in den umliegenden Dörfern und Städten, der mit seinem Spiel die Feste zu bereichern wusste. Den Avenwedder Feuerwehr-Musikern eilte ein guter Ruf voraus, so dass es nicht nur bei Auftritten in der Umgebung blieb. Mit der Bahn ging es beispielsweise nach Bückeburg, Minden-Hausberge und zu Musikertreffen, an denen mit großem Erfolg teilgenommen wurde.

Während der Kriegsjahre wurde der Spielmannszug durch die besonderen Umstände nicht weiter gefördert, und auch in den ersten Nachkriegsjahren gab die Notwendigkeit anderen Aufgaben den Vorrang. Dennoch wurde 1952 die Probenarbeit wieder aufgenommen, neue Kameraden ausgebildet und auch die dazu notwendigen Instrumente beschafft. Bereits ein Jahr später konnte nach vielen Mühen unter der bewährten Leitung Willi Uthoff´s wieder in der Öffentlichkeit aufgespielt werden. Die Feuerwehr-Musiker trugen nun wieder durch Ihre musikalische Umrahmung bei vielen Volksfesten zur guten Stimmung bei.


(1956)

Nach 41 Jahren der musikalischen Leitung gab Willi Uthoff dann den Tambourstab 1963 an Otto Pollmüller weiter, der der Gemeinschaft ebenfalls immer wieder neue Impulse gab und sie zu weiteren Erfolgen führte.


(1967)

Gegen Ende der sechziger Jahre geriet der Spielmannszug jedoch in arge Schwierigkeiten. Ältere Aktive traten in den Ruhestand, andere heirateten und widmeten sich ihren Familien, so dass die Proben nur noch spärlich besucht wurden. Die Jugend, der Nachwuchs fehlte. Zuletzt traten bei einem Fest nur noch sechs Musiker an, so dass die Auflösung des Avenwedder Spielmannszuges erwartet wurde.

In der Jahreshauptversammlung 1970 sprach der Flötist Karl Heinz Kuhhirte das Problem des Spielmannszuges an und appellierte eindringlich an die Kameraden des Löschzuges, dem Untergang der traditionsreichen Gemeinschaft nicht länger tatenlos zuzusehen. Durch seine Initiative wurden in der Grundschule Avenwedde-Bhf. Und in der damaligen Hauptschule Friedrichsdorf musikinteressierte Schüler im Alter von 10-15 Jahren für den Spielmannszug begeistert und noch im selben Jahr aufgenommen. Die notwendige musikalische Ausbildung übernahmen Otto Pollmüller (Trommeln) und Karl Heinz Kuhhirte (Flöten).

1972
Vor dem Gerätehaus Avenwedde-Bahnhof (1972)

1972 zählte der Spielmannszug des Löschzuges Avenwedde dann wieder 26 Aktive und konnte bereits ein beachtliches Repertoire an Märschen aufweisen. Die Führung dieser jungen Truppe übernahm nun Karl Heinz Kuhhirte als direkter Nachfolger von Otto Pollmüller. Die Übergabe des Tambourstabes erfolgte am 08.01.1972, während der Jahreshauptversammlung des Löschzuges, durch den damaligen Löschzugführer Heinrich Oberröhrmann. Karl Heinz Kuhhirte wusste an dieser Stelle insbesondere der Stadt Gütersloh zu danken, die die Uniformen für die Nachwuchskräfte beschaffte und Zuschüsse für Instrumente zur Verfügung stellte, um somit die finanziellen Sorgen des Spielmannszuges zu vertreiben.

Ein neues Kapitel in der Geschichte des Spielmannszuges war angebrochen, indem jetzt die Jugend das Bild dieser Gemeinschaft prägte. Damit traten aber auch Probleme auf, die für diesen traditionsreichen Spielmannszug neu waren. Es entstand nun zum Beispiel, aufgrund der Interessenentwicklung junger Menschen, eine hohe Fluktuation, so dass viele nur für kurze Zeit blieben, oder aber ihre Ausbildung bereits nach wenigen Übungsstunden abbrachen. Kleinere Schwierigkeiten, wie eine korrekte Uniformordnung oder das pünktliche Erscheinen wurden jedoch im Laufe der Zeit behoben. Es ist vor allen der Umsicht und der ausgezeichneten Führungsarbeit Karl Heinz Kuhhirte´s zu verdanken das sich diese junge Gemeinschaft in der folgenden Zeit immer wieder erneuerte und die Motivation für die gemeinsame Musik nie fehlte.


Im Gerätehaus (1981)

Ein neuer Meilenstein in der Geschichte des Spielmannszuges wurde dann 1983 gesetzt, als vom Landesfeuerwehrverband Nordrhein-Westfalen e.V. erstmals Lehrgänge für Spielmannszüge angeboten wurden, an denen einige Spielleute teilnahmen. Trotz der hohen Anforderungen wurden diese Lehrgänge mit großem Interesse absolviert. Die vermittelten Notenkenntnisse, die hier erlernt wurden, eröffneten dem Spielmannszug neue Perspektiven.

Getragen von dem Gedanken das Musizieren nach Noten zu erlernen und damit das in Spielmannszügen übliche Griffzahlensystem zu ersetzen, gingen die Lehrgangsteilnehmer dazu über, ihr erworbenes Wissen in die Praxis umzusetzen. Aber auch die anderen Musiker wurden aufgefordert, sich den neuen Erkenntnissen zu stellen und daher wurden schon bald Sonderübungsstunden eingerichtet.

Alfred Boehnke unterstützte mit seinem Wissen und seinen Erfahrungen aus den Tätigkeiten bei anderen musiktreibenden Vereinen den Spielmannszug in dieser schwierigen Umstellungsphase. Durch diese Maßnahmen konnte dann 1985 die Umstellung des gesamten Repertoires auf Noten erfolgen. Leider waren einige Kameraden nicht mehr bereit umzulernen und da es gleichzeitig noch schwierig war neue Musiker heranzubilden, kam es 1986 zu einer erneuten personellen Krise. Wieder entbrannte, wie Ende der 60ér Jahre eine Diskussion um den Fortbestand des Spielmannszuges.

Nur durch den erneuten, persönlichen Einsatz Karl Heinz Kuhhirte´s, sowie der im gewährten Unterstützung durch die Musiker, die sich gemüht hatten einen neuen, zukunftsweisenden Weg zu gehen, bleibt es zu verdanken das auch diese schwierige Phase gemeistert wurde. Aus dieser kritischen Situation wurde aber auch gelernt und somit 1987 ein weiterer, in die Zukunft gerichteter Schritt unternommen, den viele zunächst nicht befürworten wollten.

Es war nach 65 Vereinsjahren die erstmalige Aufnahme von Mädchen in den Spielmannszug der zu neuen Diskussionen Anlass gab. Doch auch hier setzten sich die Musiker durch und schon bald stellte sich heraus das die neu aufgenommenen Mädchen ein wertvoller Zugewinn für die Gemeinschaft waren.

Im Februar 1988 wurde Karl Heinz Kuhhirte für 30-jährige aktive Tätigkeit im Spielmannszug mit der Ehrennadel in Gold, der Bundesvereinigung des Deutschen Blas- und Volksmusikerbundes, ausgezeichnet.

Kontinuierlich wurde weiter gearbeitet, neue Lehrgänge besucht und dieses Wissen immer wieder in die aktive Gemeinschaft eingebracht. Das inzwischen mehrstimmige Spiel der Sopranflöten wurde durch die Hinzunahme von Alt- und Tenorflöten erweitert und damit der Gesamtklang des Zuges abgerundet. Auch das Schlagwerk wurde durch "Rhythmus"- Instrumente ergänzt. Mit diesen neu eingesetzten Instrumenten gelang es viele neue Arrangements zu spielen. Gleichzeitig wurde aber auch ein eigenes Ausbildungskonzept, angelehnt am Lehrgangswesen, erstellt. Die heute tätigen Ausbilder im Spielmannszug haben alle das gesamte, mehrjährige Lehrgangskonzept durchlaufen und gewährleisten, verbunden mit dem eigenen Musizieren im Spielmannszug, eine qualifizierte Ausbildung neuer Spielleute.


(1992)

1992 konnte der Spielmannszug auf 70 Jahre Vereinsgeschichte zurückblicken sowie Karl Heinz Kuhhirte auf 20-jährigr Stabführung dieser Musikgemeinschaft. Dies war Anlass genug um erstmals ein Konzert in eigener Regie durchzuführen. So wurde am 07. November des Jahres im Saal der Gaststätte Michelswirth aufgespielt. Die Musiker konnten an diesem Abend die ganze Bandbreite der Spielmannsmusik darbieten die sowohl die traditionelle Marschmusik als auch moderne Konzertarrangements enthielt.

Am 04.Februar 1994 legte Karl Heinz Kuhhirte dann nach über 36-jähriger Tätigkeit, davon über 22 Jahre als Stabführer, den Taktstock ab und übergab die Stabführung in jüngere Hände. Sein Nachfolger wurde auf Beschluss der aktiven Spielleute Frank Uhr. Karl Heinz Kuhhirte wurde auf Wunsch der Musiker im folgenden Jahr, in Würdigung seiner Verdienste für den Spielmannszug, zum Ehrenstabführer ernannt. Er steht dem Spielmannszug auch weiterhin mit Rat und Tat zur Seite.

Es galt nun den mit Erfolg vorgezeigten Weg weiterzuführen und neue Impulse zu setzen. So wurde 1994 erstmals ein Übungswochenende eingerichtet. Im Jugendgästehaus der Stadt Münster wurden nicht nur neue Arrangements einstudiert, sondern auch die Kameradschaft untereinander vertieft und dem geselligen Teil des Vereinslebens ein paar abwechslungsreiche Stunden hinzugefügt. Weitere Übungswochenenden folgten 1995 in Lembruch am Dümmer See, sowie 1996 in Visbek in der Alhorner Heide.

Schützenfest Senne I (1995)
Schützenfest Senne I (1995)

1996 konnte der Ortsteil Avenwedde auf das 800-jährige Bestehen zurückblicken. Bei den Vorbereitungen und der Durchführung der Jubiläumsveranstaltungen, koordiniert durch den Arbeitskreis "800 Jahre Avenwedde" wirkte auch der Spielmannszug aktiv mit. Durch die ineinandergreifende Zusammenarbeit der Avenwedder Vereine wurde ein würdiges Jubiläumsjahr begangen. Ein Höhepunkt aus der Sicht des Spielmannszuges war hierbei insbesondere die Veranstaltung "Avenwedde stellt sich musikalisch vor". Am Sonntag dem 21. April 1996 fand in der vollbesetzten Stadthalle Gütersloh ein Konzert aller musiktreibenden Avenwedder Vereine statt, das sowohl Zuhörer als auch die Musiker nachhaltig begeisterte.

Vor dem Bauernhaus in Spexard (1997)
Bauernhaus in Spexard (1997)

1997 wurde zum 75-jährigem Bestehen des Spielmannszuges erneut ein eigenes Konzert geplant. Die musikalischen und organisatorischen Vorbereitungen, die sich über das ganze Jahr erstreckten, wurden mit einem viertägigen Übungswochenende in Rüthen abgeschlossen. Eine Woche später dann, am 12. Oktober 1997 konnte erneut im Haus Michelswirth aufgespielt werden. Ein anspruchsvoll arrangiertes Konzert das in seiner Bandbreite vom modernen Konzertmarsch über die Musik der alten Meister J.Offenbach und L. Boccherini, bis zu den neuzeitlichen Rhythmen aus Samba und Rumba ausgearbeitet war, fand begeisterten Anklang der über 220 Besucher im bis zum letzten Winkel besetzten Saal. Mit dem Kreiskonzert der Feuerwehrmusiker des Kreises Gütersloh in Steinhagen zwei Wochen später wurde dann ein arbeitsreiches Jahr erfolgreich abgeschlossen.

Das Übungswochenende 1998 in Waldeck am Edersee wurde zur Erprobung eines neuen Instrumentes genutzt. Nachdem "Percussion" -Instrumente bereits zur Erweiterung des Klangspektrums ihren Einsatz gefunden hatten wurde nun ein Marimbaphon getestet um die Mittel- und Basslagen zu füllen. Nachdem auch die Finanzierung gewährleistet war konnte der Spielmannszug ab Sommer 1999 ein Marimbaphon sein Eigen nennen.

Zusätzlich wurde noch ein gut erhaltenes Glockenspiel erworben und somit der Bereich der Stabspiele optimal erweitert. Zur Unterbringung wurde im Gerätehaus ein neuer Musikraum in Eigenleistung eingerichtet, indem zuvor Einsatzmittel des Löschzuges gelagert waren. Hier konnten nun alle Instrumente sinnvoll untergebracht werden.

Im Rückblick auf die abwechslungsreiche, fast 80-jährige Vereinsgeschichte kann der Spielmannszug des Löschzuges Avenwedde beruhigt nach vorn blicken. Mit Recht kann behauptet werden das auch in Zukunft die traditionelle Spielmannsmusik einen festen Platz in der Avenwedder Volksmusik behalten wird. Ein besonderer Dank gilt an dieser Stelle den vielen Helfern und Gönnern, die durch ihre Unterstützung den Spielmannszug in seiner Arbeit immer wieder gefördert haben. Insbesondere ist hier auch die kameradschaftliche Unterstützung des Löschzuges anzuführen. Aufbauend auf der musikalischen Arbeit, der Aus- und Weiterbildung, sowie der Kameradschaft und Geselligkeit wünschen sich die Musiker für die Zukunft, das sich immer wieder junge Menschen dieser Musikgemeinschaft anschließen werden.

(Letzte Aktualisierung: 01.01.2002 / Frank Uhr)
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